Musikverein ROTA Schwendi macht es beim Weihnachtskonzert auf die feine englische Art

Die öffentliche Meinung über Großbritannien ist derzeit stark geprägt von Debatten über den Brexit. Dadurch wird viel von dem überlagert, was das Vereinigte Königreich zu bieten hat. „Zum Beispiel viele wunderbare Melodien, die ihren Ursprung auf der Insel gefunden haben.“, wie Vorstand Daniel Botzenhardt in seiner Begrüßung treffend formulierte. Unter dem Motto „Very British!“ konnten sich mehr als 300 Zuhörer im Anschluss davon beim Weihnachtskonzert des Musikvereins ROTA Schwendi selbst ein Bild machen.

Mit einer bestens aufeinander abgestimmten Stückauswahl gelang es Dirigent Martin Böhringer auf hervorragende Art alle Facetten britischer Musikgeschichte in dem gut zweistündigen Programm zu durchlaufen. Moderator Jürgen Kugler stellte in seinen kurzweiligen Ansagetexten dabei begleitend zur Musik charakteristische Eigenschaften der Briten heraus: die feine englische Art und der typische britische Humor waren dabei ebenso Thema, wie die vielen negativen Erfahrungen der Engländer im Elfmeterschießen gegen deutsche Fußballteams.

Den Auftakt zum Konzertabend bildete passende zur Weihnachtszeit das traditionelle Weihnachtslied „Away in an Manger“. Das Orchester der ROTA wurde dabei von einem Teil der Jungmusiker unterstützt, die damit ihren ersten großen Auftritt beim Weihnachtskonzert hatten.

Mit „Pastime with good Company“, dessen Melodie vom wohl bekanntesten Herrscher der Insel, Heinrich dem VIII., stammt und der „English Folk Song Suite“ wurde es anschließend urbritisch. In dem dreisätzigen Werk von Ralph Vaughan Williams verarbeitet dieser von ihrer Rhythmik und Charakteristik ganz unterschiedliche englische Volkslieder. Eine besondere Herausforderung war hierbei der zweite Teil „My Bonny Boy“, mit sehr getragenen Melodien.

Echten britischen Humor bewies Derek Bourgeois, der Komponist der „Serenade op. 22c“. Er komponierte dieses Stück als würdevolle Auszugsmusik zu seiner eigenen Hochzeit. Allerdings wählte er hierbei Taktarten mit ungeraden Zählzeiten, was es seiner Frau beim Durchschreiten der Kirche unmöglich gemacht haben dürfte, rhythmisch passend ihr Ziel zu erreichen.

Der Marsch „Pomp and Circumstance“ mit seinem hymnischen Schlussteil ist vor allem aus der „Night of the Proms“ bekannt, bei der alljährlich tausende Menschen in einem vollbesetzten Stadion diese Melodie innbrünstig mitschmettern. Martin Böhringer und seinem Orchester gelang es zum Ende des ersten Konzertteils, die Veranstaltungshalle in Schwendi mit vollem Klang zu füllen und genau dieses Gänsehautgefühl zu transportieren.

Nach dem Marsch „Gibraltar“ kam mit einem Medley aus dem Musical und Film „Mary Poppins“ nach der Pause der große Höhepunkt des Konzertabends. Vor allem das Schlagzeugregister der ROTA war hier gefordert um „das beste Kindermädchen der Welt“, wie Jürgen Kugler in seiner Ansage ankündigte, musikalisch treffend in Szene zu setzen.

Eine Welturaufführung in dieser Version dürfte dann wohl die Titelmelodie der weltbekannten Krimiserie „Inspector Barnaby“ gewesen sein, die Dirigent Martin Böhringer eigens für sein Blasorchester arrangiert hatte. Es war ihm gemeinsam mit seinen Musikerinnen und Musikern hierbei hervorragend gelungen, die geheimnisvolle und mysteriöse Atmosphäre englischer Kriminalfälle auf die Bühne zu bringen.

Auf ein Medley aus Filmmelodien des wohl bekanntesten englischen Gentlemans, James Bond 007, folgte dann mit dem durch den englischen Rock- und Popmusiker Sting zu Weltruhm gelangten Song „Englishman in New York“ ein Saxophonsolo der Extraklasse. Mit seinem Sopransaxophon ummalte Daniel Botzenhardt zwar nur die eigentliche Hauptmelodie. Mit seiner rhythmischen und musikalischen Virtuosität gelang es dem Solist aber beeindruckend, den eigentlichen Song in den Schatten zu stellen und damit für einen weiteren Glanzpunkt des Abends zu sorgen.

Mit der richtigen Lebenseinstellung für das Jahr 2018 verabschiedete sich die ROTA pfeifend von ihren Besucher: „Always look on the Bright Side of Life“. Jürgen Kugler zitierte aus dem Songtext dieses wohl von einem grenzenlosen Optimisten geschriebenen Ohrwurms: „Moser nicht, fang an zu pfeifen. Und das hilft dir, das Beste draus zu machen. Schau immer auf die Sonnenseite des Lebens".

Nicht ohne Zugaben, dem Marsch „Sons of the Brave“ und dem von Oliver Heilmann sonor und äußerst souverän vorgetragenen Posaunensolo „Auld lang Syne“ endete ein äußerst kurzweiliges und musikalisch anspruchsvolles Weihnachtskonzert, das bei den Konzertbesuchern zu einem positiven Bild Großbritanniens beigetragen haben dürfte.