Chronik: Mehr als 150 Jahre Blasmusik in Schwendi

Seit mehr als 150 Jahren gibt es Blasmusik in Schwendi, gleichzeitig eine bewegte Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Von den Anfängen Mitte des 19. Jahrhunderts über die Neugründung nach dem Krieg bis zur Entwicklung zu einem Verein im Internet-Zeitalter: nachfolgend finden Sie die Geschichte des Musikvereins ROTA Schwendi e.V. zusammengefasst in den wichtigsten Schlaglichtern.

1865 bis 1931: Die Anfangsjahre

Über die Anfänge der Blasmusik in Schwendi liegen kaum schriftliche Originalquellen vor. Da erst 1932 ganz offiziell ein Musikverein gegründet wurde und Blasmusik bis dahin in Schwendi eine organisatorisch lose Angelegenheit war, gab es keine Protokolle oder ähnliche Aufzeichnungen. Dies ist auch der Grund weshalb der Musikverein ROTA 2015 nicht sein 150-jähriges Vereinsjubiläum feierte, sondern das 150-jährige Jubiläum der Anfänge der Blasmusik in Schwendi.

Die heute aus diesen Anfangsjahren bekannten Informationen basieren im Wesentlichen auf später schriftlich dokumentierten Zeitzeugenberichten des Ehrenmitglieds Karl Bammert aus Großschafhausen sowie von Johannes Birchler, einem 1865 geborenen Bürger Schwendis. Hieraus geht hervor, dass sich 1865 ein Kreis musikbegeisterter Männer gefunden hatte, deren Ziel es war, durch ihre Musik den Mitmenschen Freude zu bereiten und das kulturelle Leben der Gemeinde zu bereichern. Erster musikalischer Leiter war der Kaufmann H. Schellhammer. Zeitweilig war die Kapelle über 20 Mann stark.

Mit den Jahren wurde, auch aufgrund steigender finanzieller Belastungen der Gedanke einer Vereinsgründung immer konkreter, um der Blasmusik in Schwendi finanziell, organisatorisch und rechtlich einen festen Rahmen zu geben.

1932 bis 1939: Die Geburtsstunde des Musikverein ROTA Schwendi e.V.

Am 3. Juli 1932 fand ein großes „Wiegenfest“ zur Vereinsgründung mit Wertungsspielen statt. Dabei wurde dem neuen Verein auch von Hofrat Prof. Max Springer der Name ROTA verliehen, den der Musikverein bis heute in seiner Bezeichnung trägt. ROTA ist der lateinische Name für einen kanonischen Satz. Hofrat Prof. Springer wollte mit diesem Namen die musikalische Gemeinschaft des Vereins zum Ausdruck bringen.

Erster Vereinsvorstand war Hermann Rieg. Erster Dirigent der noch jungen Kapelle der Burgrieder Oskar Steinhilber. Unter der Leitung dieser beider Männer entwickelte sich die Musikkapelle schnell weiter und konnte 1932 auch erstmals an einem Wertungsspiel teilnehmen, was in den darauffolgenden Jahren, jeweils mit großem Erfolg, wiederholt wurde.

1936 legte Oskar Steinhilber den Taktstock nieder. Auf ihn folgte der seinerzeit sehr populäre und musikalisch hochdekorierte Musikdirektor Franz Laub aus Laupheim. Aufgrund seines hohen Alters dauerte das Engagement von Franz Laub jedoch nur bis 1939.

1939 bis 1945: Die Kriegsjahre

Durch Vorstands- und Dirigentenwechsel bereits gebeutelt, wirkte sich auch der einsetzende Zweite Weltkrieg existenzgefährdend auf den Musikverein aus. Viele Musiker wurden sofort zum Kriegsdienst eingezogen. Die Musikkapelle schmolz bis auf wenige Musiker zusammen. Schweren Herzens mussten Vorstandschaft und verbliebene Musiker die vorläufige Auflösung von Kapelle und Verein beschließen. Bald hatte die ROTA auch an der Front gefallene Musikkameraden zu beklagen.

Den ersten Hoffnungsschimmer auf eine bessere Zukunft für die Menschen und den Verein gab es in der Heiligen Nacht 1945 als Anton Bollinger, Albert Braun, Hans Högerle und die ersten Nachwuchsmusiker Hans Jöchle und Alois Högerle auf dem Kellerberg Weihnachtslieder spielten.

 1945 bis 1955: Der beschwerliche Neuanfang

Viele Menschen wussten nach dem Krieg nicht, wie es mit der eigenen Existenz weitergehen würde. In dieser Situation galt es auch, einen Musikverein wieder aufzubauen. Entsprechend beschwerlich war der Neuanfang nach den Kriegsjahren. Nur wenige Musiker waren bereits aus dem Krieg wieder zurückgekehrt. Die Verantwortung für den Neuaufbau legten die Musiker in die Hände von Hans Högerle als neuem Dirigenten, der seine musikalischen Kenntnisse bei Franz Laub und als Arbeitsdienst- und Militärmusiker erworben hatte.

Als erstes Problem galt es die Nachwuchsgewinnung zu lösen, was nach und nach auch gelang. Dennoch blieb es schwierig, die Musik wieder zu etablieren. Beim ersten Konzert in der Sporthalle waren die Zuschauerreihen nur zu einem Drittel besetzt. Die Musiker ließen sich nicht entmutigen und die Kapelle wuchs schnell an. Dies führte am 5. Februar 1950 zur Wiedergründung des Musikvereins im Hirschsaal im heutigen Rathaus. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Freiherr Eckbert von Süßkind Schwendi gewählt, der die Entwicklung des Vereins in den kommenden Jahrzehnten gemeinsam mit Dirigent Hans Högerle maßgeblich prägen sollte.

Auch nach der Wiedergründung des Vereins und dem stetigen Anwachsen der Kapelle ergaben sich im Musikalltag viele Probleme, die es zu lösen galt und die den Aufstieg der ROTA weiter beschwerlich machten. Bestes Beispiel hierfür war die Suche nach einem Probenraum. Denn die Musikkapelle wurde seinerzeit vom einen in den anderen Proberaum komplimentiert. So landete die Kapelle schließlich in der Scheuer des Anwesens Heitele in der Klausstraße. Jeder Musiker musste hier aber seine Sitzgelegenheit mitbringen und vor jeder Probe musste der untergestellte Wagen für ein Kuhgespann ins Freie gestellt werden um überhaupt eine Probe abhalten zu können. Es stellte sich heraus, dass diese unbefriedigende Probesituation die Existenz der Kapelle gefährdete. Es musste ein eigener und nur als solcher genutzter Proberaum her. Dieser fand sich in einem selbst finanzierten Anbau an die Sporthalle. Aus heutiger Sicht stellte dieses Bauvorhaben unter der Leitung von Vorstand Freiherr von Süßkind Schwendi einen wesentlichen Eckpfeiler für die nachfolgende erfolgreiche Entwicklung des Vereins dar.

1955 wurden 90 Jahre Volksmusik in Schwendi mit einem Musikfest und 32 teilnehmenden Kapellen gefeiert. 

1955 bis 1965: Der Aufstieg der ROTA beginnt

1957 trat Freiherr Eckbert von Süßkind Schwendi von seinem Amt als erster Vorsitzender zurück. Sein bisheriger Stellvertreter Bruno Ogger übernahm dieses Amt. Dennoch blieb Freiherr von Süßkind Schwendi „seiner“ ROTA fest verbunden. So stellte er einen Teil seines Schlossgartens für Gartenfeste der ROTA zur Verfügung. In vielen ehrenamtlichen Einsatzstunden wurde das Gelände trockengelegt und mit einem Ausschankstand, einem Musikpavillon einer Tanzfläche und einer WC-Anlage „festkompatibel“ gemacht.

Auch musikalisch entwickelte sich die ROTA hervorragend. 1959 trat die Kapelle - gleich mit einem 1. Rang prämiert - erstmals in der Oberstufe bei einem Wertungsspiel an. 1962 folgt auf Initiative von Dirigent Hans Högerle die Teilnahme an einer Rundfunksendung beim süddeutschen Rundfunk. Auch ein Zeitdokument, das aus heutiger Sicht von unschätzbarem Wert für die Heimatpflege und -geschichtsschreibung ist, geht auf die Initiative der ROTA in dieser Zeit zurück: Der 1963 gedrehte Heimatfilm. Beim Jubiläum „100 Jahre Volksmusik in Schwendi“, 1965 gefeiert mit einem großen Kreismusikfest, war die ROTA ein stattliches Oberstufenorchester mit mehr als 40 Musikanten. Um diese Entwicklung zu festigen, wurde 1964 die Jugendarbeit weiter verstärkt und eine Jugendkapelle gegründet. Dass die Bedeutung und Anerkennung der ROTA in dieser Zeit auch weit über die Gemeindegrenzen hinaus wuchs, verdeutlicht 1957 die Ernennung von Dirigent Hans Högerle zum Kreisdirigenten.

1965 bis 1975: Weitreichende Entscheidungen werden getroffen

Während die ROTA musikalisch weiter auf hohem Niveau von Erfolg zu Erfolg eilt, stand 1970 ein Umbruch in der Vorstandschaft an. Auf Bitten der übrigen Vorstandschaft erklärte sich Freiherr Eckbert von Süßkind Schwendi erneut bereit, das Amt des ersten Vorsitzenden zu übernehmen. Ebenfalls 1970 erhielt der Musikverein ROTA Schwendi in Anerkennung für mehr als 100 Jahre Musizieren die „Pro Musica Plakette“ ausgehändigt. 1971 wurde auch Dirigent Hans Högerle eine bis heute einmalige Ehre in der Geschichte der ROTA zuteil: Der Gemeinderat der Gemeinde Schwendi ernannte ihn zum Musikdirektor.

Anfang der 70er Jahre verfestigt sich immer mehr der Wunsch zum Bau eines eigenen Musikheims. Zur Finanzierung nahm die ROTA 1973 eine Schallplatte auf. Am 23. April 1974 fiel dann im Rahmen einer außerordentlichen Generalversammlung die auch heute noch richtungsweisende Entscheidung zum Bau des Musikheims. Mit unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit entstand auf einem Erbpachtgrundstück der Gemeinde angrenzend an das Festgelände am Schwanenweiher im Jahr des 110-jährigen Bestehens der Blasmusik in Schwendi das vereinseigene Musikheim.

1975 bis 1985: Stabilität auf hohem Niveau

Die Bedeutung des neuen Musikheims für die Weiterentwicklung des Vereins wurde an der Jugendausbildung deutlich, die ab sofort schon nachmittags in den eigenen Räumen durchgeführt werden konnte. 15 Jugendliche befanden sich 1977/78 in Ausbildung.

1979 gab es aus musikalischer Sicht eine Premiere: Aufgrund eines fehlenden Veranstaltungsortes für das Jahreskonzert, veranstaltete die ROTA mit großem Erfolg das erste Kirchenkonzert in der St. Stephanus Kirche. Ebenfalls 1979 nahm der Musikverein zum ersten Mal nach neun Jahren wieder an einem Wertungsspiel teil und erreichte auf Anhieb in der Oberstufe einen ersten Rang mit Auszeichnung.

Nach Fertigstellung der neuen Sporthalle für 4,6 Mio. DM fanden die Weihnachtskonzerte ab 1981 in dieser statt. Erneut mit einem großen Musikfest („Jahrhundertfest in Schwendi“) feierte die ROTA 1985 „120 Jahre Volksmusik in Schwendi“. Im gleichen Jahr konnten durch eine gut geplante Aktion und mit Hausbesuchen 53 passive Mitglieder und 28 Kinder- und Jugendliche gewonnen werden, in den Musikverein einzutreten.

Trotz dieser Erfolge deutete sich 1985 aber auch die große Zäsur an, die dem Musikverein in den kommenden Jahren bevorstehen würde: Der langjährige erste Vorsitzende, Freiherr Eckbert von Süßkind Schwendi, legte sein Amt altershalber nach 35 Jahren in der Vorstandschaft nieder und übergab dieses an Franz Botzenhart. Damit neigte sich auch die für die Blüte des Vereins verantwortliche Ära der beiden großen und prägenden Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte an der Spitze des Musikvereins ROTA Schwendi, Freiherr Eckbert von Süßkind Schwendi und Hans Högerle, dem Ende zu.

1985 bis 1995: Jahre des Umbruchs

Nach dem Rückzug von Freiherr Eckbert von Süßkind Schwendi kündigte auch MD Hans Högerle zum Jahresende 1986 an, im Alter von 65 Jahren und 40 Jahren im Amt, den Taktstock in jüngere Hände zu geben. Im letzten Jahr seiner für die ROTA so prägenden Ära konnte Hans Högerle mit seinem Orchester nochmals zwei musikalische Glanzpunkte feiern: Einen ersten Rang mit Auszeichnung beim Wertungsspiel in Rot a.d. Rot im Juni 1986 und das Weihnachtskonzert, das symbolträchtig mit dem Marsch „Abschied der Gladiatoren“ endete. Bei der offiziellen Verabschiedung von MD Hans Högerle am 23.10.1987 erfuhr er für seine Lebensleistung nochmals allerhöchste Ehren. Unter anderem ernannten ihn die Musikvereine Schwendi und Hörenhausen zu ihrem Ehrendirigenten, die Gemeinde Schwendi verlieh Hans Högerle die „Lazarus von Schwendi Medaille“ und die Bundesrepublik Deutschland die Verdienstmedaille des Verdienstordens.

Die schwierige Frage, wer in die überdimensionalen Fußstapfen von Hans Högerle treten sollte, hatten die Vereinsverantwortlichen rechtzeitig in Angriff genommen. So konnte in einem nahtlosen Übergang am 6. März 1987 der erst 23-jährige Musikstudent Martin Remke aus Ummendorf seine erste Musikprobe mit der ROTA abhalten.

Die Bedingungen für Martin Remke waren dabei nicht einfach. Denn dem Generationswechsel an der Vereinsspitze und in der musikalischen Verantwortung folgte auch einer in der Kapelle: Von den 65 Musikern zum Ende des Dirigats von Hans Högerle standen dem neuen Dirigenten nur noch 49 zur Verfügung. Dies war auch verbunden mit Besetzungsproblemen, da viele erfahrene Musiker aufgehört hatten. Dank der verstärkten Bemühungen in der Jugendwerbung wuchs die Kapelle aber bis 1989 wieder auf 60 aktive Musiker an.

Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen gelang es Martin Remke, das musikalisch sehr hohe Niveau der ROTA zu konservieren und ihm, wie er selbst sagte, einen modernen Akzent hinzuzufügen. Dies spiegelte sich auch in der erfolgreichen Teilnahme an Wertungsspielen wieder.

1990 feierte die ROTA mit einem großen Musikfest 125 Jahre Volksmusik in Schwendi. Zu diesem Anlass wurde auch die neue Vereinsuniform vorgestellt. Die als Halbtracht gestaltete Vereinskleidung war auf Initiative von Vorstand Franz Botzenhart angeschafft worden und ersetzte die Uniform von 1971.

1991 musste Martin Remke aus beruflichen Gründen zum Bedauern der ROTA-Musiker und der Vereinsverantwortlichen sein Engagement in Schwendi bereits wieder beenden. Ihm folgte am 5. März 1991 Günther Aßfalg aus Steinhausen a.d. Rottum nach.

Es folgten schwierige Jahre für die ROTA. Bis 1994 hatte die Kapelle 21 Austritte zu verzeichnen. Am 26. Januar 1994 stellte Dirigent Günther Aßfalg sein Amt zur Verfügung. Auch in der Vorstandschaft kündigte sich ein erneuter Generationswechsel an. Vorstand Franz Botzenhart stand nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung. Nach 35 Jahren als Schriftführer gab auch Gebhard Högerle dieses Amt in jüngere Hände. Die Suche nach Nachfolgern für die freigewordenen Ämter in der Vorstandschaft gestaltete sich schwierig aber letztlich erfolgreich. Am 13.03.1994 wurde eine neue Vorstandschaft unter dem Vorsitz von Hubertus Högerle gewählt.

Die schwierige Aufgabe des Dirigenten übernahm interimsweise Vizedirigent Peter Botzenhardt. Noch im selben Jahr konnte nach einer intensiven Suche der studierte Trompeter und ausgebildete Dirigent Karl Seitz aus Mooshausen gewonnen werden. Durch dessen Wohnort außerhalb Schwendis und weitere musikalische Aktivitäten wurde Vizedirigent Peter Botzenhardt aber parallel immer stärker in die musikalische Leitung der Kapelle eingebunden.

1995 bis 2005: Der Generationswechsel gelingt

Im Jahr 1995 stand das Jubiläum "130 Jahre Volksmusik“ in Schwendi an, das mit einem großen Jubiläumsfest gefeiert wurde.

Eher unerwartet trat im April 1996 Dirigent Karl Seitz von seinem Amt zurück. Zum vierten Mal binnen 10 Jahren stand die ROTA ohne Dirigent da. Mit Peter Botzenhardt, der aus den Reihen der ROTA kam und sich bereit erklärte, das schwierige Amt des Dirigenten zu übernehmen, erfüllte sich aber die Hoffnung endlich wieder mehr Kontinuität auf diesem so wichtigen Posten zu erreichen. Seine ersten Herausforderungen meisterte er mit einem Doppel-Weihnachtskonzert mit dem Musikverein Burgrieden 1996 und mit der sehr erfolgreichen Teilnahme beim Wertungsspiel des Kreismusikfestes in Schönebürg 1997.

Mit dem Wechsel von Peter Botzenhardt an die Spitze der Kapelle entstand aber wiederum eine Lücke in der Jugendarbeit. Trotz neuer Vereinsstrukturen mit neuer Satzung stellte die Nachwuchsgewinnung auch in den Folgejahren ein Problem dar. Nach und nach zeigten die großen Anstrengungen der Vorstandschaft in diesem Bereich aber Wirkung. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den Schulen stellte sich als erfolgreiche Maßnahme heraus. 2003 wurde z.B. eine offizielle Kooperationsvereinbarung mit der Realschule Schwendi unterzeichnet.

Das neue Jahrtausend begann für die ROTA mit einem Meilenstein: Nach 1973 nahm die Kapelle ihren zweiten Tonträger auf. Diesmal aber nicht als Schallplatte, sondern als moderne CD.

Anfang der 2000er Jahre wagte die ROTA als vierter von 104 Musikvereinen im Landkreis den Schritt ins Internet und ging mit einem eigenen Webauftritt online. Damit änderte sich auch die gesamte Vereinsarbeit, die fortan von der Mitgliederverwaltung über die vereinsinterne Meinungsbildung bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit, immer stärker digital erfolgte.

Beim Kreismusikfest 2001 in Hörenhausen nahm die ROTA als Patenkapelle auch am Wertungsspiel teil und erreichte in der Oberstufe die Note „Ausgezeichnet“.

Das Jahr 2003 endete mit großer Trauer: Am 11. Dezember 2003 starb Ehrendirigent Hans Högerle im Alter von 82 Jahren nach einem erfüllten Leben, in dem er ungezählte Stunden der ROTA gewidmet hatte.

Nach zehn Jahren im Amt übergab Vorstand Hubertus Högerle 2004 das Amt in jüngere Hände: Markus Botzenhart, langjähriger Tenorhornist und zuletzt zweiter Vorstand, übernahm den verantwortungsvollen Posten des Vorstands, den zehn Jahre zuvor bereits sein Vater inne gehabt hatte.

2005 feierte der Verein mit der befreudeten Kapelle aus dem badischen Kürzell und allen Kapellen der Gemeinde „140 Jahre Blasmusik in Schwendi“.

Rechtzeitig zu diesem Jubiläum konnte die ROTA 2005 auch den Anbau des Musikheims einweihen. 30 Jahre nach seinem Bau wurde Anfang der 2000er Jahre deutlich, dass das Vereinsheim an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Auf Initiative des damaligen Vorstands Hubertus Högerle stimmte die Generalversammlung 2002 zu, das bestehende Heim um einen Anbau zu erweitern (Vergrößerung Saal im EG und Schaffung von Jugendräumen und Sanitäranlagen im UG) und auch die Außenanlagen zu sanieren. Weit mehr als 1.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden in drei Jahren steckten hinter den Baumaßnahmen, bei denen der Verein ca. 30.000 Euro an Eigenmitteln und 45.000 Euro an Spenden investiert hatte.

2005 bis 2015: Neue Herausforderungen für die Zukunft

Mit einem Schock für den ganzen Verein begann das Jahr 2006: Der zwischenzeitige Eigentümer des Grundstücks Max-Dieter Freiherr von Süßkind Schwendi - Sohn des Ehrenvorstands Freiherr Eckbert von Süßkind Schwendi - kündigte der ROTA zum 31.12.2006 nach über 50 Jahren das Nutzungsrecht am bisherigen Festgelände rund um den Schwanenweiher. Nach einhelliger Meinung war die ROTA Opfer einer Außeinandersetzung über einen Bebauungsplan zwischen der Gemeinde und dem Grundstückseigentümer über die künftige Nutzungsmöglichkeit an dem Grundstück geworden.

Diese Entscheidung hatte weitreichende Konsequenzen für den Verein. Stellte das Schwanenweihergelände doch als Veranstaltungsort für das Schwanenfest - nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle - eine enorm wichtige Säule des Vereins dar. Umso dramatischer war das für den Gesamtverein, da die ganze Sanierung des Musikheims auch auf einen nachhaltigen Festbetrieb am Schwanenweiher ausgerichtet war. Die für viel Geld erstellten neuen Außentoiletten waren plötzlich nutzlos. Trotzdem gab es kein Zurück mehr, das Gelände bleibt der ROTA bis heute verwehrt.

Kurz zuvor musste bereits die Gemeindeturnhalle aufgrund Einsturzgefahr des Dachs gesperrt werden. Damit fiel auch der Veranstaltungsort für das Weihnachtskonzert völlig überraschend weg. Die Gemeinde Schwendi entschied sich infolgedessen aber, eine reine Veranstaltungshalle zu bauen. Ein auch von der ROTA lang gehegter Wunsch. Allerdings musste der Verein vier Jahre lang mit dem Weihnachtskonzert ausweichen. Drei Mal fand dieses in der Sporthalle in Sießen statt. 2009 veranstaltete die ROTA erstmals seit 30 Jahren anstelle des Weihnachtskozertes wieder ein Kirchenkonzert.

Die Veranstaltungshalle mit einem dazugehörigen Festgelände wurde 2010 eingeweiht und ist seit 2012 auch Veranstaltungsort für das Schwanenfest, das bis dahin in den Gerberwiesen stattgefunden hatte.

Am 30.01.2009 starb in Eckbert Freiherr von Süßkind Schwendi der zweite prägende Mann der Vereinsgeschichte in der Nachkriegszeit. Im Alter von 89 Jahren musste die ROTA auch von ihrem Ehrenvorstand Abschied nehmen.

Nachdem das Schwanenfest - auch aufgrund des nicht mehr zur Verfügung stehenden Schwanenweihergeländes - an Bedeutung verloren hatte, war die ROTA auf der Suche nach neuen Veranstaltungen. Am 02.10.2009 fand erstmals die Insel-Party statt, die sich seither immer am Abend vor dem Tag der Deutschen Einheit zu einer echten Hausnummer im Veranstaltungskalender der Region entwickelt hat. Weit mehr als 1.000 ganz überwiegend junge Besucher pilgern seither im Herbst nach Schwendi.

20 Jahre nach der letzten Neubeschaffung der Vereinsuniformen erhielten die Musikerinnen und Musiker 2010 wieder eine neue Vereinstracht. Vorstand Markus Botzenhart war es in seiner unnachahmlichen Art gelungen bei den Schwendier Gewerbetreibenden viele Spenden einzuwerben, so dass die neue Uniform für den Verein finanzierbar war. Beim Serenadenkonzert am 18.06.2010 kam die neue Vereinsuniform erstmals zum Einsatz.

Ende 2012 folgte der vorerst letzte Generationswechsel in der Führung der ROTA. Sowohl Dirigent Peter Botzenhardt (nach 15 Jahren) als auch Vorstand Markus Botzenhart (nach acht Jahren) gaben ihre Ämter ab.

Daniel Botzenhardt als Vorstand und Martin Böhringer aus Untersulmetingen als Dirigent - beide Anfang 30 - übernahmen diese verantwortungsvollen Posten. Musikalisch wie vereinsorganisatorisch entwickelt sich die ROTA auch seither auf dem eingeschlagenen Weg hervorragend weiter. Martin Böhringer gelingt es mit seiner ruhigen und musikalisch wie pädagogisch sehr qualifizierten Art, die vielen jungen Musikerinnen und Musiker weiterzuentwickeln. Auch Daniel Botzenhardt als Vorstand hat mit der Vereinsheimsanierung 2015 bereits unter Beweis gestellt, dass er den Verein nachhaltig weiterentwickeln kann.

Diese Chronik basiert auf den Aufzeichnungen der Schriftführer des Musikvereins ROTA Schwendi e.V. und erschien in der Festschrift zum Jubiläumsjahr "150 Jahre Blasmusik in Schwendi" im Jahr 2015.